Barrierefreiheit: Unüberwindbare Hürde für soziale Einrichtungen?

Frauenberatungsstellen brauchen finanzielle Unterstützung für bauliche Maßnahmen. Pressemitteilung von der Jahrestagung  des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen am 8. und 9. 11. 2012 in Wien

Autorin: Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen
November 2012

Die Vertreterinnen der 57 Mitgliedseinrichtungen des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen diskutierten vergangenen Donnerstag in den Räumen des Bundeskanzleramts mit Frauenministerin Heinisch-Hosek zu einem brisanten Thema: Laut Gesetz müssen ab 2016 alle Beratungseinrichtungen barrierefrei zugänglich sein. Wie die behindertengerechte Adaptierung der Beratungsstellen bezahlt werden soll ist aber noch unklar. Fest steht: Gelingt es nicht in nächster Zeit eine Lösung zu finden, müssen viele Einrichtungen schließen.

"Alle Frauen und Mädchen sollen zu uns kommen können, ohne Einschränkung. Egal ob eine Frau im Rollstuhl sitzt, gehörlos ist oder nichtdeutscher Muttersprache: Barrieren sind überall und wir setzen uns dafür ein, dass sie verschwinden. Für bauliche Maßnahmen brauchen wir jedoch die Unterstützung der öffentlichen Hand. Schließlich kommen wir damit einer gesetzlichen Verpflichtung nach", so das Resumée der Beratungsstellen. "Aus eigener Kraft können wir unsere Räume nicht barrierefrei gestalten – wo soll eine Frauenberatungsstelle denn 30 bis 40.000 Euro hernehmen, wir dürfen ja gar nicht gewinnorientiert arbeiten?" fragt Marion Breiter, Vereinsvorsitzende des Netzwerks.

Sollte sich keine Lösung finden, wird ein Teil der Frauen- und Mädchenberatungsstellen zusperren müssen. Es wäre empörend, wenn hier zwei Gruppen gegeneinander ausgespielt würden: auf der einen Seite behinderte Frauen und Mädchen, die durch das neue Gesetz endlich zu ihrem Recht kommen. Auf der anderen Seite die Beratungsstellen, für die die Auflage Barrierefreiheit das Aus bedeuten könnte, so die einhellige Meinung der Tagungsteilnehmerinnen.

Mit am Runden Tisch: Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und ihr Team. Sie fördern mit ihrem knappen Budget die Frauenberatungseinrichtungen und suchen intensiv nach einer Lösung. Gelingen kann dies aber nur, wenn auch andere Subventionsgeber mit ins Boot kommen. Sinnvoll wäre es, für notwendige Umbauarbeiten einen eigenen Topf von Bund und Ländern zu schaffen, ist Breiter überzeugt. "Wir wünschen uns, dass bei der Barrierefreiheit alle an einem Strang ziehen. Wir tun, was uns möglich ist; allein schultern können wir die Aufgabe aber nicht."

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Wien, 13.11.2012

Rückfragen:
Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen:
Dr.in Marion Breiter, Vereinsvorsitzende.
Telefon: 0676/774 71 70
E-Mail: marion.breiter@netzwerk-frauenberatung.at