Faires Einkommen - Faire Pension

 

Wie stellt sich das österreichische Pensionssystem aus Frauensicht dar? Zusammenhang zwischen Einkommen und Pensionen von Frauen.

 

erschienen in: ksoe Nr. 2/2016

 


Autorinnen: Hannah Steiner und Brigitte Theißl

 

In Österreich bekommen Frauen um 23 Prozent weniger Lohn und um 48 Prozent weniger Alterspension als Männer. Die Alterssicherung steht dabei, wie in vielen anderen Ländern auch, am Ende eines langen Wegs von Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern. Das Pensionssystem ist also nicht die Wurzel, sondern die Auswirkung eines Problems, das in der Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, in der unterschiedlichen Bewertung von Arbeit und in der Struktur des Arbeitsmarktes begründet liegt. „Die Arbeit von Frauen ist nicht weniger wert. Sie wird schlechter bezahlt“, lautet denn auch der Slogan einer Sensibilisierungskampagne, die im Rahmen des EU-Projekts „Faires Einkommen – Faire Pension“ Anfang März startet und mit Plakaten das Innere der Wiener Straßenbahnlinien D, 1, 0, 6, 18, 67, 71 einen Monat lang bespielen wird. Das Projekt mit PartnerInnen aus Tschechien, Polen, Slowenien und der Slowakei wird in Österreich vom Verein Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen koordiniert. Für viele Frauen, die in die Beratungsstellen kommen, ist die Sorge um die Pension ein wichtiges Thema. Nicht zuletzt für Beraterinnen dient daher auch die Broschüre „Der Gender Pay Gap und seine Auswirkung auf die Alterssicherung von Frauen und Männern in Österreich“, die im Rahmen des Projekts Faires Einkommen – Faire Pension erstellt wurde.

Studientag „Halbpension“ und Round Table

Am 26. Jänner 2016 fand der Studientag „Halbpension: Das österreichische Pensionssystem aus Frauensicht“ als Kooperationsveranstaltung der Armutskonferenz/AG Frauen und Armut, dem Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen und AUGE/Alternative und Grüne Gewerkschafterinnen/AG statt. Gemeinsam mit Expertinnen wurden Ungerechtigkeiten und Versäumnisse in der Sozialpolitik ebenso wie ein vermeintlicher Generationenkonflikt – der sich, so die Ökonomin Angelika Gruber von der Arbeiterkammer (AK), vielmehr als Verteilungskampf darstellt – diskutiert. Christine Mayrhuber, Pensionsexpertin des Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) kritisierte in ihrem Eingangsreferat, dass die aktuelle Diskussion um das Pensionssystem und das Antrittsalter von Frauen an den eigentlichen Problemen vorbeigehe. Aufgrund des Äquivalenzprinzips im österreichischen Pensionssystem müsse ein Reformdiskurs immer auch den Arbeitsmarktmiteinbeziehen. Judith Schwentner, Sozialsprecherin der Grünen, präsentierte außerdem das Grüne Pensionsmodell, das Pensionen geschlechtergerecht sichern soll.

Bereits im Dezember 2015 veranstaltete das Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen gemeinsam mit der Frauenministerin einen Round Table, bei dem die neu erschienenen Informationsbroschüren des Netzwerks und auch des Frauenministeriums präsentiert und das Pensionssystem aus der Sicht verschiedener Expertinnen diskutiert wurde. Im Zentrum stand dabei unter anderem die Pensionsreform aus dem Jahr 2004, die massive Auswirkungen auf die Pensionshöhe von Frauen haben wird und entgegen anfänglich lautstark geäußerter Kritik durch Interessensvertretungen gegenwärtig kaum noch Thema ist.

Rund um den Equal Pay Day finden im Rahmen von „Faires Einkommen – Faire Pension“ zwei weitere Events in Wien statt: eine Pressekonferenz am 10.3. und ein Infotisch im Haus der EU bei der Tagung „Equal Pay: Right Away!“ am 11.3. Nähere Information zu allen Aktivitäten: www. netzwerk-frauenberatung.at